Aus der Seminarreihe: "Den Albtraum beenden"
Bausteine für die Arbeit mit akut traumatisierten Menschen
Die Seminarwoche
Flutwellen, Terroranschläge, Verkehrsunfälle, Wohnungsbrand, Hundebisse, häusliche Gewalt ...
Derartige Ereignisse verändern Menschen. Die Betroffenen können daran reifen aber auch zerbrechen.
Wovon hängt es ab, ob aus diesem Ereignis persönliches Wachstum wird oder sich eine Störung entwickelt? Zwei stabilisierende, schützende Aspekte stellen die "rasche Hilfe" sowie die "soziale Unterstützung" dar. Die Seminarreihe/~woche vermittelt, worauf es bei der raschen Hilfe in der Praxis ankommt.
Aufbauend auf theoretische Grundlagen der Psychotraumatologie liegt ihr Schwerpunkt in der praktischen Umsetzung. Inhalte und Fallbeispiele werden auf die unterschiedlichen Arbeitsfelder der TeilnehmerInnen zugeschnitten, Möglichkeiten zur Selbsterfahrung bilden eine wichtige Ergänzung. Daneben wird ein Einblick in die Arbeit der anderen Vor-Ort-Tätigen gegeben.
Der Zeitrahmen von einer Woche bietet einen optimalen Rahmen für einen dem Arbeitsfeld angemessenen Einstieg in die Akut-Versorgung psychisch traumatisierter Menschen.
Die verschiedenen Themen können aber auch als einzelne Bausteine gebucht werden.
Die Themen:
Grundlagen
Nach einem Einstieg in die Grundbegriffe der Psychotraumatologie wird ein Leitfaden für die Akutversorgung vorgestellt, der sich als Strukturierungshilfe in der Praxis bewährt hat. Entlang an Fallbeispielen übertragen wir die Theorie auf die Praxis / Arbeitsgebiete der TeilnehmerInnen.
Inhalte: Das traumatische Ereignis, Bedeutung, Erleben, Verarbeitung, Neurobiologie, mögliche Folgen, Komplikationen, Diagnostik, Akute Belastungsreaktion, Posttraumatische Belastungsstörung, Komorbidität (Begleitende Störungsbilder), Leitfaden für die Akutversorgung, Gesprächsführung, Stabilisierungsmöglichkeiten, Selbstreflexion, Psychohygiene, Einsatznachsorge, Fallbeispiele.
Traumatisierte Gruppen
Sind mehrere Personen von einem extremen Ereignis betroffen, wird der psychologische Notfalleinsatz personell, organisatorisch und auch inhaltlich komplexer und anspruchsvoller.
Während bei der Begleitung von Einzelpersonen ein individuelleres Vorgehen möglich ist, muss bei Gruppen zunächst das Hauptaugenmerk auf die Struktur gelegt werden. Der Blick auf das System entscheidet über den Weg.
Inhalte:
Betroffenheitsgrade, Unterschiede zwischen traumatisierten Einzelpersonen und Gruppen, "Arten" von Gruppen, der entscheidende Blick auf das System, Verarbeitungsphasen von Gruppen, Erstversorgung, Struktur und Führung, Gruppeninterventionen, Stabilisierungstechniken, Schwierigkeiten, Fallbeispiele.
Islamische Familien im Notfallgeschehen
Allen Menschen ist soziale Unterstützung eine große Hilfe für die Bewältigung eines extremen Ereignisses. Dabei spielen religiöse und traditionelle Werte oftmals eine große Rolle. In unserer multikulturellen Gesellschaft begegnen wir in Notfallgeschehen auch islamischen Familien, deren Lebensformen und Werte uns häufig fremd sind.
Somit stellt uns auch ihre Versorgung manchmal vor viele Fragen.
Inhalte:
Hintergrundwissen Islam: Säulen und Werte, Familienstruktur, die Gemeinde, Bedeutung von Krankheit, Sterben und Tod, Trauer und Bestattungsriten. Interkulturelle Kompetenz, Was sind mögliche Hilfen im Notfallgeschehen?, Fallbeispiele.
Suizid von Nahestehenden
Nach der Selbsttötung eines Nahestehenden geraten die Hinterbliebenen häufig in eine tiefe Krise. Neben den quälenden Fragen nach dem "Warum" stellen sie sich oft auch die Frage nach einer "Mit-Schuld". Zum einen am Geschehen selbst, aber auch daran, die Signale nicht richtig gedeutet, gehört oder darauf reagiert zu haben.
Inhalte:
Dynamik Suizidgeschehen, Endgültigkeit und Abschied, die Frage nach der Schuld, Wut und Trauer, Möglichkeiten der Unterstützung, Fallbeispiele.